Der Moment, in dem ich etwas verstanden habe

Beim Glückscamp 2025 hatte ich einen dieser Momente, deren Bedeutung man eigentlich erst später versteht. Wir waren mitten auf einem ganz normalen Campingplatz, meinem Lieblingscampingplatz, dem Mainglück. Um uns herum lief das übliche Camperleben. Menschen kamen und gingen, irgendwo wurde geredet, Autos fuhren vorbei. Und als wäre das noch nicht genug, waren auf dem Fluss Wakeboarder unterwegs, inklusive ziemlich lauter Musik an Bord.

Nicht unbedingt die Kulisse, die man sich für eine entspannte Yin-Yoga-Stunde ausdenken würde. Ich hab damals ganz schön geschwitzt und gedacht: „Oh nein, was für ein Reinfall, das sind wirklich die ungünstigsten Umstände für Yin.“

Und trotzdem: Das Feedback fiel positiv aus. Trotz der Geräuschkulisse hatten sie in die Entspannung gefunden. Ich stellte fest: Okay. Anscheinend habe ich ein Händchen dafür, Menschen genau dorthin zu begleiten.

Dieser Gedanke ist geblieben. Und wenn ich heute auf meine Arbeit der vergangenen Monate zurückblicke, entdecke ich ihn überall. Ich spreche über Pausen und Erholung. Darüber, sich zwischendurch aus dem Alltag herauszunehmen, durchzuatmen. Zehn Minuten Sonne zu genießen, wenn ein Tag ansonsten nur Regen zu bieten hat. Mal nichts zu müssen. Und darüber, dass wir nicht erst völlig erschöpft sein sollten, bevor wir uns erlauben, innezuhalten.

Vielleicht hast du dieses Muster sogar früher bemerkt als ich. Denn lange hatte es für mich keinen Namen. Es waren Yogastunden, Camps, Retreats, Klang, kleine Auszeiten und Gedanken, die immer wieder in meine Yogi-Post eingeflossen sind. Inzwischen weiß ich: Dahinter steckt etwas Größeres.

The Art of Rest.

Ich sehe es als eine Art Nordstern für meine Arbeit. Nicht als neue Yogamethode und schon gar nicht als Ankündigung, dass es bei mir ab jetzt nur noch Yin Yoga, Yoga Nidra und möglichst wenig Bewegung gibt. Im Gegenteil.

Ich mag Herausforderung. Ich glaube an Wachstum. Ich finde es großartig, was unser Körper und unser Kopf leisten können. Es darf anstrengend sein. Wir dürfen uns fordern, schwitzen, lernen, arbeiten, Dinge durchziehen, uns entwickeln und manchmal auch über uns hinauswachsen. Aber genauso wichtig ist die andere Richtung.

Anspannung und Entspannung. Aktivität und Erholung. Fordern und Regenerieren.

Ich glaube, die eigentliche Kunst liegt gar nicht darin, möglichst entspannt und immer selig lächelnd durchs Leben zu kommen. Sondern darin, zu merken, wann wir aus dem Gleichgewicht geraten – und zu wissen, wie wir wieder zurückfinden.

Wir haben gelernt zu leisten, aber nicht, uns zu erholen…

40 Stunden arbeiten, gerne noch ein paar Überstunden dazu. Daneben Familie, Freunde, Haushalt, Sport, Hobbys, Freizeit und natürlich all die Dinge, die man sonst noch so erledigt. So sieht für viele Menschen jahrzehntelang ein völlig normales Erwachsenenleben aus. Für mich übrigens auch.

Bevor ich Yogalehrerin wurde, habe ich selbst viele Jahre im Büro und im mittleren Management gearbeitet. Leistung war für mich nichts Negatives. Im Gegenteil: Ich wollte meine Arbeit gut machen, Verantwortung übernehmen, meinen Aufgaben gerecht werden. Ich hatte ziemlich hohe Ansprüche an meinen Job und v.a. an mich selbst.

Und wenn mich das alles erschöpft hat, habe ich das gar nicht wirklich wahrgenommen und mein erster Gedanke war auch nicht unbedingt: Vielleicht ist das gerade einfach ziemlich viel. Sondern eher: Warum schaffe ich das nicht besser? Wenn alle anderen dieses Pensum offensichtlich bewältigen, müsste ich das schließlich auch können. Heute sehe ich das anders.

Wir leben in einer Arbeitswelt, in der wir dank technischer Entwicklung in kürzester Zeit Dinge erledigen können, für die früher wesentlich mehr Zeit nötig war. Nur haben wir die gewonnene Zeit nicht in mehr freie Zeit und weniger Überstunden verwandelt. Wir haben vor allem gelernt, in derselben Zeit noch mehr zu erledigen.

Es hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass Leistungsfähigkeit vor allem bedeutet weiterzumachen, durchzuziehen. Noch eine Aufgabe, noch eine Mail. Das noch schnell fertig machen, bevor Feierabend ist.

Das soll nicht heißen, dass ich gegen Leistung bin. Ganz im Gegenteil.

Es gibt Zeiten, in denen wir richtig Gas geben. Herausforderungen können uns wachsen lassen. Ich denke da an Messezeiten zurück und heute an Retreat- und Festivalplanung. Stress gehört zum Leben dazu und unser Körper ist ziemlich gut darin, auf Anforderungen zu reagieren. Problematisch wird nicht jede anstrengende Woche und nicht jeder stressige Arbeitstag. Entscheidend ist, ob das dauerhaft so ist und was danach passiert.

Auf Anspannung muss Entspannung folgen können. Auf Belastung Erholung.

Und genau da wird es interessant. Die Arbeitspsychologie beschäftigt sich schon lange damit, wie wir uns von beruflicher Belastung erholen. Besonders spannend finde ich dabei das sogenannte Recovery Paradox: Ausgerechnet wenn die Belastung bei der Arbeit besonders hoch ist und wir Erholung besonders gut gebrauchen könnten, können genau die Prozesse schwieriger werden, die uns bei der Erholung helfen – beispielsweise mental von der Arbeit abzuschalten, uns zu bewegen oder gut zu schlafen.¹

Kommt dir das bekannt vor? Mir schon!

Wenn der Berg auf meinem Schreibtisch immer größer wird und die To-Do-Liste immer länger, dann fällt es mir nicht automatisch leichter, einen Gang zurückzuschalten. Im Gegenteil. Irgendwann ist da nur noch dieses beengende Gefühl, alles irgendwie bezwingen zu müssen. Perfektionismus ist dabei übrigens ein ziemlich mieser Pausenbegleiter.

Vielleicht liegt hier der Denkfehler: Wir behandeln Erholung oft wie etwas, das nach der Leistung kommt.

Wenn die Arbeit erledigt ist, mache ich Pause.
Am Wochenende erhole ich mich.
Im Urlaub schalte ich endlich ab.

Nur: Wann ist eigentlich alles erledigt?

Erholung muss deshalb nicht erst nach Feierabend beginnen. Eine Meta-Analyse zu sogenannten Mikropausen, kurzen Unterbrechungen von bis zu zehn Minuten, fand kleine positive Effekte auf Vitalität und Müdigkeit. Einen eindeutigen allgemeinen Leistungsschub konnten die Forschenden dagegen nicht zeigen.²

Das finde ich spannend. Wir sollten eine Pause nicht damit rechtfertigen müssen, dass wir anschließend noch produktiver sind.

Vielleicht darf Erholung einfach ein notwendiger Teil unseres Lebens sein und kein Bonus, den wir uns erst verdienen müssen.

Aber was ist eigentlich Erholung?

Das klingt zunächst nach einer ziemlich einfachen Frage. Ist es aber gar nicht. Ist Erholung auf der Couch liegen? Ein Wochenende ohne Termine? Yoga? Urlaub? Netflix? Ein Spaziergang?

Kann alles Erholung sein. Muss es aber nicht.

Während ich diesen Artikel schreibe, bin ich mit meinem Camper in Dänemark unterwegs. Eigentlich beste Voraussetzungen für Erholung: Urlaub, Meer, keine Termine, viel Natur und jede Menge Zeit. Und trotzdem merke ich gerade wieder etwas, das ich von längeren Campingreisen schon kenne. Die ersten Tage bin ich oft noch voll im Funktionsmodus. Fahren, ankommen, organisieren, überlegen, wo es als Nächstes hingeht. Was möchte ich noch sehen? Wo schlafe ich heute? Passt das für Bindy? Was steht noch auf meiner Liste?

Nur weil ich Urlaub habe, bin ich innerlich noch lange nicht im Urlaub. Und dann sind da diese anderen Momente. Zehn Minuten Sonne nach einem ansonsten ziemlich verregneten Tag. Einfach nur aufs Meer schauen, ohne das Handy in der Hand. Ein bewusster tiefer Atemzug. Lesen. Wandern. Radfahren. Oder ein Spaziergang mit Bindy. Wobei gerade der Spaziergang mit Bindy ein wunderbares Beispiel dafür ist, wie individuell Erholung sein kann. In einer ruhigen, gut gewählten Umgebung kann dieser Spaziergang herrlich sein. In einer Umgebung voller Reize und Situationen, die sie stressen, kann exakt dieselbe Tätigkeit für uns beide das Gegenteil bedeuten und unsere Frustrationstoleranz an ihre Grenzen bringen.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist daher für mich: Rest, also Erholung, ist nicht die Tätigkeit. Entscheidend ist, was sie mit uns macht.

Das passt sehr gut zu dem, was auch die Erholungsforschung beschreibt. In der Arbeitspsychologie wird nicht nur untersucht, was Menschen in ihrer freien Zeit tun, sondern auch, wie sie diese Zeit erleben. In einem etablierten Modell werden vier sogenannte Recovery Experiences unterschieden: Psychological Detachment, Relaxation, Mastery und Control.³

Dabei bedeutet Detachment, mental Abstand von der Arbeit zu gewinnen. Relaxation beschreibt einen Zustand geringer Aktivierung und positiver Entspannung. Bei Mastery geht es dagegen um Aktivitäten, bei denen wir etwas lernen, uns herausfordern und Kompetenz erleben. Und Control beschreibt das Gefühl, selbst darüber bestimmen zu können, wie wir unsere freie Zeit verbringen.³ Das finde ich super interessant, weil es mit der Vorstellung aufräumt, Erholung müsse immer still und passiv sein.

Auch eine große internationale Befragung zum Thema Erholung zeigt, wie unterschiedlich Rest aussehen kann. Beim sogenannten Rest Test, an dem mehr als 18.000 Menschen aus 134 Ländern teilnahmen, landeten unter den meistgenannten erholsamen Aktivitäten unter anderem Lesen, Natur, Alleinsein, Musik hören, Nichtstun, Spazierengehen, Tagträumen – und auch Fernsehen.⁴ Es gibt also offenbar nicht die eine richtige Art, sich auszuruhen.

Und selbst das, was wir gemeinhin als Entspannung bezeichnen, muss nicht immer erholsam sein. Ich kann einen Abend auf der Couch verbringen und dabei zwei Stunden durch Social Media scrollen. Ich kann im Urlaub jeden Tag mit Programm vollpacken. Ich kann sogar aus Yoga die nächste Aufgabe machen, die ich unbedingt noch „richtig“ erledigen muss.  Andererseits können zehn Minuten Sonne manchmal genau das sein, was ich gerade brauche.

The Art of Rest bedeutet deshalb vielleicht gar nicht sich zu fragen: Was sollte ich zur Entspannung tun?

Sondern eher: Wie geht es mir eigentlich gerade? Und was brauche ich jetzt?

Dafür muss ich zunächst einmal innehalten und hinspüren. Und genau das ist möglicherweise eine Fähigkeit, die wir wieder viel bewusster üben dürfen.

Die Kunst des Innehaltens

Wenn Erholung nicht für jeden Menschen und in jeder Situation dasselbe bedeutet, gibt es auch nicht die eine perfekte Anleitung dafür. Bevor ich entscheiden kann, was mir gerade guttut, muss ich schließlich erst einmal bemerken, wie es mir überhaupt geht. Und das klingt einfacher, als es manchmal ist.

Auch das kenne ich noch gut aus meinem früheren Arbeitsleben. Ich habe mich von Bemerkungen anderer schnell aus der Ruhe bringen lassen, mich über Dinge geärgert, die ich nicht ändern konnte, oder irgendwann nur noch den riesigen Berg an Aufgaben gesehen, statt den nächsten machbaren Schritt. Gleichzeitig habe ich Erschöpfung oft gar nicht bewusst wahrgenommen.

Heute würde ich viel früher versuchen, innezuhalten und mich zu fragen: Was passiert hier eigentlich gerade mit mir?

Vielleicht schlafe ich seit einigen Nächten schlechter. Vielleicht kreisen meine Gedanken ständig um dieselben Themen. Vielleicht bin ich gereizter als sonst oder mein Körper fühlt sich permanent angespannt an. Vielleicht merke ich aber auch einfach: Puh, das ist gerade ganz schön viel. Es geht nicht darum, jedes dieser Signale sofort zu analysieren oder hinter jedem schlechten Tag ein Problem zu vermuten. Sondern darum, die eigenen Muster mit der Zeit besser kennenzulernen.

Innehalten. Hinspüren. Wahrnehmen.

Und erst dann entscheiden: Was brauche ich jetzt?

Manchmal sind es vielleicht tatsächlich nur drei bewusste Atemzüge zwischen zwei Terminen. Manchmal ein Spaziergang in der Mittagspause. Vielleicht muss ich für heute einen Punkt von meiner To-do-Liste streichen und auf morgen schieben. Vielleicht brauche ich Bewegung, Schlaf, einen Abend alleine oder ein klares Nein. Und manchmal kann die Erkenntnis auch lauten: Das hier begleitet mich schon länger und ich brauche Unterstützung.

Für mich hat das viel mit Regulation zu tun. Dabei bedeutet Regulation ausdrücklich nicht, dass wir Stress, Ärger, Wut, Traurigkeit oder andere unangenehme Gefühle möglichst schnell loswerden und wegatmen müssen. Auch sie gehören zum Leben und haben ihre Berechtigung. The Art of Rest soll keine weitere Form der Selbstoptimierung werden, bei der wir jetzt auch noch möglichst perfekt entspannt sein müssen.

Es geht vielmehr darum, früher wahrzunehmen, was gerade passiert, unseren Reaktionen Raum zu geben und mit der Zeit besser darin zu werden, wieder zurückzufinden.

Und genau hier trifft für mich Yoga auf Alltag. Auf der Yogamatte üben wir dieses Innehalten ständig. Wie fühlt sich mein Körper heute an? Wie ist mein Atem? Was verändert sich in dieser Haltung? Ist das gerade eine sinnvolle Herausforderung für mich oder gehe ich über meine Grenze? Brauche ich mehr oder heute vielleicht weniger?

Die spannende Frage ist doch: Was passiert, wenn wir diese Fähigkeit nicht auf der Yogamatte liegen lassen?

Wenn wir auch mitten im Arbeitstag kurz wahrnehmen, was gerade passiert. Wenn zwischen einer schwierigen Email und unserer Antwort ein Atemzug liegt. Wenn wir merken, dass aus Herausforderung gerade Überforderung wird. Wenn wir uns nicht erst dann mit Erholung beschäftigen, wenn der Akku komplett leer ist.

Dieses kurze Innehalten könnte einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu mehr Erholung sein. Denn erst wenn ich wahrnehme, wo ich gerade stehe, kann ich eine bewusste Entscheidung darüber treffen, was ich als Nächstes brauche.

Erholung gehört mitten ins Leben

Wenn ich heute an meine Zeit im Büro zurückdenke, gab es Dinge, die ich intuitiv schon richtig gemacht habe. Zum Beispiel meinen Spaziergang in der Mittagspause. Damals vor allem mit dem Gedanken: Ich muss mal vom Schreibtisch aufstehen, mich bewegen und an die frische Luft. Rückblickend war es aber noch viel mehr. Für eine Weile raus aus dem Büro, Abstand gewinnen, den Kopf freibekommen. Weniger hilfreich war dagegen die Variante, am Schreibtisch zu essen und dabei mit Kolleginnen den neuesten Gossip auszubreiten. Manchmal tat der Austausch gut. Manchmal sorgten wir aber auch einfach gegenseitig dafür, dass wir uns noch ein bisschen mehr aufregten.

Pause haben und Pause machen sind offenbar auch zwei verschiedene Dinge.

Ich glaube, bei Erholung denken wir ohnehin oft in zu großen Einheiten. Der Feierabend. Das Wochenende. Der Urlaub. Das Retreat. All diese größeren Auszeiten haben ihren Platz und definitiv ihre Berechtigung. Aber was passiert eigentlich dazwischen?

Wir können Erholung auch mitten in unseren Alltag holen. Nicht als weiteres aufwendiges Ritual, das wir irgendwo in den Kalender quetschen müssen, sondern ganz klein und unspektakulär. Ein paar bewusste Atemzüge, bevor das nächste Meeting beginnt. Nach einem schwierigen Gespräch einmal aufstehen, statt direkt die nächste E-Mail zu öffnen. Die Mittagspause tatsächlich als Pause nutzen. Für zehn Minuten nach draußen gehen. Das Handy bewusst weglegen. Einen Moment lang aus dem Fenster schauen und einfach nichts tun. Nicht jede Pause muss lang sein, um eine Unterbrechung zu sein.

Dass selbst kurze Pausen einen Unterschied machen können, haben wir weiter oben schon gesehen. Die Forschung zu Mikropausen zeigt kleine positive Effekte auf Vitalität und Müdigkeit.² Und auch das mentale Abschalten von der Arbeit, in der Forschung Psychological Detachment genannt, steht in Zusammenhang mit verschiedenen Aspekten von Wohlbefinden und Erholung. Eine große Meta-Analyse mit mehr als 38.000 Beschäftigten fand unter anderem Zusammenhänge mit weniger Erschöpfung, besserem Wohlbefinden und besserem Schlaf.⁵

Aber ich möchte aus Erholung trotzdem kein neues Effizienzprojekt machen. Nicht noch eine Gewohnheit, die wir perfekt tracken müssen. Nicht dreimal täglich fünf Minuten Atemübung, weil wir anschließend hoffentlich noch mehr schaffen. Und bitte keine weitere Aufgabe, bei der wir uns abends vorwerfen können, dass wir heute leider wieder nicht gut genug entspannt haben. Es geht für mich um etwas anderes.

Erholung darf Teil des Tages sein, nicht nur die Reparatur danach.

Mal sind das ein paar Minuten. Mal eine Stunde. Mal brauchen wir einen freien Tag, einen Urlaub oder tatsächlich eine längere Auszeit. Die eigentliche Fähigkeit besteht darin, nicht erst auf den Moment zu warten, an dem gar nichts mehr geht. Sondern sich immer wieder zwischendurch zu fragen:

Wo stehe ich gerade? Was brauche ich? Und was davon kann ich mir jetzt ermöglichen?

Nicht irgendwann. Sondern jetzt. Mitten im echten Leben.

Mein Nordstern: The Art of Rest

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: The Art of Rest ist für mich kein neues Angebot und auch keine neue Yogamethode. Es ist vielmehr der rote Faden, der sich durch vieles zieht, was ich heute schon tue und gleichzeitig der Nordstern für das, was daraus noch entstehen darf.

Yoga gehört dazu. Yin Yoga und Yoga Nidra genauso wie eine kraftvolle Yogastunde. Atem, Meditation und Klang gehören dazu. Bewegung, Natur, Stille, Schlaf, ein gutes Buch, zehn Minuten Sonne oder einfach mal gar nichts tun ebenso.

Denn wenn ich aus diesem Artikel selbst eine Sache mitnehme, dann diese: Erholung hat weniger damit zu tun, was wir tun, als damit, was es mit uns macht.

Und The Art of Rest bedeutet für mich auch nicht, ein möglichst ruhiges Leben zu führen. Ich möchte mich weiterhin für Dinge begeistern, große Pläne schmieden, Herausforderungen annehmen, auf die Nase fallen, wieder aufstehen, arbeiten, lernen, wachsen und manchmal über mich hinauswachsen. Ich mag dieses Feuer und ich möchte genauso gut darin werden, die andere Seite ernst zu nehmen. Zu spüren, wann ich eine Pause brauche. Zu wissen, was mir neue Kraft gibt. Mir Zeit für Erholung zu nehmen, ohne sie mir vorher verdienen zu müssen. Und immer wieder meine eigene Balance zu finden. Genau das ist die Kunst daran.

The Art of Rest ist die Kunst, die eigene Balance zwischen Aktivität und Erholung immer wieder neu zu finden.

Es bedeutet, sich selbst gut genug zu kennen, um zu wissen, was neue Kraft gibt und dafür mitten im echten Leben Raum zu schaffen.

Das ist mein Nordstern. Und ich bin ziemlich gespannt, wohin er mich noch führen wird.

The Art of Rest beginnt gerade erst

Vielleicht ist dir beim Lesen aufgefallen, dass vieles davon schon länger Teil meiner Arbeit ist. Mir selbst ist es erst nach und nach klar geworden. Jetzt hat es einen Namen. Und ich möchte diesem Thema in Zukunft mehr Raum geben. Hier auf dem Blog, in meiner Yogi-Post, in meinen Yogakursen, Camps und Retreats und sicher auch in Formaten, die heute noch gar nicht existieren.

Eines davon gibt es aber schon ganz bald: den The Art of Rest Feierabend-Club.

Einmal im Monat treffen wir uns online für eine bewusste Pause vom Alltag. Ohne Aufzeichnung, ohne Mediathek und ohne das Gefühl, später noch irgendetwas nachholen zu müssen. Du kommst, so wie du gerade bist. Und für diesen Abend darf einfach mal nichts mehr auf deiner To-do-Liste stehen.

Vielleicht bewegen wir uns. Vielleicht wird es still. Vielleicht gibt es Yoga Nidra, Atem, Meditation, Klang oder etwas ganz anderes. Denn auch hier gilt: Es geht nicht um die eine richtige Methode. Es geht darum, sich immer wieder Zeit für Erholung zu nehmen.

Nicht irgendwann. Sondern jetzt. Mitten im echten Leben.

[Mehr über den The Art of Rest Feierabend-Club erfahren →]


 

¹ Sabine Sonnentag (2018): The recovery paradox: Portraying the complex interplay between job stressors, lack of recovery, and poor well-being. 
Originalpublikation zum Recovery Paradox

² Albulescu et al. (2022): Meta-Analyse aus 22 unabhängigen Stichproben mit 2.335 Personen. 
Originalstudie zu Mikropausen

³ Sonnentag & Fritz (2007): Entwicklung des Recovery Experience Questionnaire mit Detachment, Relaxation, Mastery und Control. Originalpublikation

⁴ Rest Test: Die Befragung wurde im Rahmen des Hubbub-Projekts mit Wellcome Collection und Partnern durchgeführt; mehr als 18.000 Teilnehmende aus 134 Ländern. Wellcome Collection zum Rest Test

⁵ Wendsche, J. & Lohmann-Haislah, A. (2017): A Meta-Analysis on Antecedents and Outcomes of Detachment from Work. Frontiers in Psychology, 7, 2072. Studie bei Frontiers in Psychology