Das war Soul & Sand 2026 – Yoga, Kamele und ganz viel Weite
Dass ich einmal ein Yoga-Retreat in der Sahara veranstalten würde, war purer Zufall. Ich hatte mit der Wüste eigentlich gar nichts am Hut. Sie stand nicht auf meiner Bucket List und ich hatte auch nicht seit Jahren davon geträumt, irgendwann einmal Yoga zwischen marokkanischen Sanddünen zu unterrichten. Und dann passierte das:
Ich entdeckte auf Facebook einen Post von Desert Wonders. Sie suchten Yogalehrer:innen, die sich vorstellen könnten, ein Retreat in der Sahara anzubieten.
Und ich dachte nur: 🙋🏼♀️ Boah, cool. Das klingt interessant. Ich melde mich mal.
Also kommentierte ich den Beitrag und ziemlich schnell kam es zu einem persönlichen Gespräch mit Khalid und Anuschka von Desert Wonders. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch – und natürlich hatte ich erst einmal ungefähr tausend Fragen. So hangelten wir uns von Gespräch zu Gespräch. Aus einer spontanen Neugier wurde langsam eine Idee und irgendwann dachte ich: Klar. Warum eigentlich nicht?
Aus der Idee wurde ein Plan. Und im Februar 2026 wurde aus diesem Plan tatsächlich Soul & Sand.
Erst einmal: Marrakesch
Für mich begann die Reise ein paar Tage vor dem eigentlichen Retreat. Ich wollte bewusst früher nach Marokko fliegen, ein bisschen Zeit alleine verbringen, mich eingrooven und in Marrakesch eintauchen, bevor meine Teilnehmerinnen ankamen. Und Marrakesch hat geliefert.
Diese lebendige, vibrierende Stadt. Die Farben, die Geräusche, die Gerüche, der Trubel. Menschen, Mopeds, Märkte, Essen, Stimmen. Schlangenbeschwörer und Saftverkäufer – überall passiert irgendetwas. Ich habe tief eingeatmet und sofort gemerkt, wie meine Reiselust wieder da war. Ich war in meinem Element. Ich war schon lange nicht mehr alleine unterwegs gewesen und habe diese Tage unglaublich genossen. Noch einmal ganz viel Leben, Bewegung und Trubel aufsaugen, bevor es in die absolute Stille gehen sollte.
Und gleichzeitig stieg die Vorfreude. Bald würden meine Teilnehmerinnen kommen. Bald würde das, was wir ungefähr ein Jahr lang geplant hatten, tatsächlich stattfinden. Als schließlich alle im Riad in Marrakesch angekommen waren und wir zum ersten Mal gemeinsam dasaßen und ein leckeres hausgemachtes Tajin genossen, wurde es für mich endgültig real:
Wir machen das jetzt wirklich.

Düfte, Trubel, vibrierendes Leben: Marrakesch
Acht Stunden Richtung Wüste
Am nächsten Morgen stiegen wir gemeinsam in unseren Minibus und machten uns auf den Weg über den Hohen Atlas Richtung Sahara. Acht Stunden Fahrt klingt erst einmal lang, aber draußen vor dem Fenster veränderte sich ständig die Landschaft. Berge, kleine Orte, karge Weiten – und mit jedem Kilometer, den wir Marrakesch hinter uns ließen, stieg die Vorfreude und Neugier auf alles, was da kommen sollte.
Ich habe auf dieser Fahrt allerdings auch etwas sehr Wichtiges fürs Leben gelernt:
Erstens: Fahre niemals rückwärts in einem Minibus durch die Serpentinen des Hohen Atlas.
Und zweitens: Hab ausreichend Kotztabletten dabei. 😅
Unterwegs besorgten wir uns noch unsere Wüstenschals – die typischen Chèches – und irgendwann wurde die Landschaft immer weiter und karger. Und dann waren wir da. Die Strapazen der Fahrt waren ziemlich schnell vergessen, denn dort wartete bereits unser Team. Khalid und unsere Guides – und natürlich die Kamele.
Ich wollte sofort aufs Kamel. Also saß ich kurz darauf oben, ließ mich ein paar Meter durch die Gegend schaukeln und stellte relativ schnell fest: Ui. Das ist ja ganz schön anstrengend. Teilweise sogar anstrengender als Laufen.
Nach einem ersten kurzen Marsch erreichten wir unser Camp für die Nacht. Und dort, mitten in der Wüste, eröffneten wir ganz offiziell unser erstes Soul & Sand Retreat. Vor uns lagen vier Tage Sahara.
Leben im Rhythmus der Wüste
Nach unserer ersten Nacht in unseren eigenen 2-Personen-Zelten begann der nächste Morgen noch vor Sonnenaufgang. Es war noch ziemlich frisch, als wir unsere Yogamatten ausrollten. Aber während unserer Praxis wurde es langsam heller und die Sonne schob sich über den Horizont und stieg hinter der Düne empor. Yoga in den Sonnenaufgang hinein. Das war schon ziemlich besonders.
Danach hieß es: Zelte abbauen, frühstücken, Sachen zusammenpacken und los. Zum Glück wurde alles von den Kamelen für uns getragen, sodass wir nicht viel mehr tragen mussten als uns selbst und unsere Wasserflaschen. Und dann liefen wir.
Ein paar Stunden durch die Sahara, immer mit ausreichend Pausen dazwischen. Es gab Wasser, Mandarinen, gesalzene Mandeln, getrocknete Datteln und Feigen. Und dann stellten wir fest, dass auch die Kamele eine große Vorliebe für unsere Mandarinenschalen hatten. Sie nahmen sie ganz vorsichtig mit ihren weichen Schnäuzchen aus unseren Händen und knusperten zufrieden darauf herum.
Überhaupt die Kamele. Diese Ruhe. Dieser gleichmäßige Schritt. Ihre Gelassenheit. Sie waren ein wichtiger Bestandteil unserer kleinen Reisegesellschaft.

Sonne, Sand, Kamele, Tee…
Wüste ist nicht einfach nur Sand
Was mich völlig überrascht hat, waren die unterschiedlichen Landschaften. Ich hatte mir die Sahara vorher ziemlich simpel vorgestellt: Sand. Dünen. Noch mehr Sand. Noch mehr Dünen. Aber weit gefehlt. Jeder Tag sah anders aus. Die Farben veränderten sich, der Untergrund veränderte sich, die Landschaft bekam immer wieder einen anderen Charakter. Und egal, wohin ich geschaut habe: Es gab ständig etwas zu bestaunen. Sobald wir nach einigen Stunden unser Tagesziel erreichten, bauten unsere Guides das Camp auf und versorgten uns erst einmal mit Tee und kleinen Snacks.
Dann war Zeit. Einfach Zeit. Zum Ausruhen. Für Yoga. Um eine Düne hochzukraxeln. Um den Sonnenuntergang anzuschauen. Um herumzusitzen und nichts zu tun oder ein Spiel zu spielen und rumzualbern.
Und irgendwann gab es Abendessen. Ich frage mich bis heute, wie man mitten in der Wüste solche Gerichte zaubern kann. Wir haben fantastisch gegessen. Abends saßen wir dann gemeinsam am Feuer. Unsere Guides sangen, erzählten Geschichten, kochten für uns, bereiteten Tee zu und zeigten uns, wie Brot im heißen Sand gebacken wird. Und über uns spannte sich ein Himmel, den man nicht beschreiben kann.
Diese Aussicht beim Pinkeln!
Die Nächte in der Sahara waren für mich sowieso etwas ganz Besonderes. Dieser Sternenhimmel deckt dich nachts regelrecht zu. Wenn man neugierig den Kopf aus dem Zelt steckt – oder schlicht raus muss zum Pinkeln – steht man plötzlich mitten in dieser unfassbaren Weite und schaut nach oben. Diese Aussicht beim Pinkeln. Herrlich. 😄
So viele Sterne sieht man bei uns kaum noch. Und zu hören gab es fast nichts. Vielleicht ein lustiges Schnauben oder Raunen der Kamele. Sonst Stille. Absolute Stille.
Sternenhimmel statt Sternehotel
Und falls du dich gerade fragst: Wie funktioniert das eigentlich mehrere Tage ohne Badezimmer? Erstaunlich unkompliziert.
Natürlich gibt es mitten in der Sahara keine Toilette und keine Dusche. Aber mit ein paar kleinen Tipps weiß man ziemlich schnell, wie das Leben dort funktioniert – und nach kürzester Zeit ist es einfach kein großes Thema mehr. Das fand ich überhaupt so faszinierend. Man braucht plötzlich erstaunlich wenig. Das gilt auch fürs Yoga.
Natürlich haben wir unsere Matten dabei und natürlich gab es gemeinsame Yogastunden. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ein großer Teil unserer Yogapraxis längst außerhalb der Matte stattfindet. Bewusst durch den Sand gehen. Den Sonnenaufgang betrachten. Oben auf einer Düne sitzen und beobachten, wie sich der Himmel beim Sonnenuntergang verfärbt. Den eigenen Atem hören. Nicht ständig auf die Uhr schauen. Sich vom Rhythmus des Tages, von unseren Guides und irgendwie auch von den Kamelen führen lassen. Go with the flow bekommt in der Sahara eine ziemlich konkrete Bedeutung.

Freude, Dünen & Dankbarkeit
Eine Stunde hinter der Düne
Einer meiner intensivsten Momente war eine Stunde, in der wir überhaupt nichts gemacht haben. Khalid führte uns nacheinander zu verschiedenen Plätzen hinter den Dünen. So weit auseinander, dass wir die anderen weder sehen noch hören konnten. Wir nahmen nichts mit außer etwas zu trinken, Sonnenschutz – und uns selbst. Dann hatten wir eine Stunde: Keine Aufgabe. Kein Gespräch. Keine Yogaanleitung. Keine Ablenkung. Nur gelber Sand und blauer Himmel. Und Stille.
Eine ganze Stunde einfach nur da sein. Wann macht man das im normalen Leben schon?
Was die Wüste mit Menschen macht
Wir sind es so gewohnt, Verantwortung zu tragen. Termine einzuhalten. Dinge zu organisieren. Von einer Verpflichtung zur nächsten zu gehen und dabei irgendwie zu funktionieren. Umso schöner war es zu beobachten, was nach ein paar Tagen in der Wüste passierte. Die Menschen wurden gelassener. Die Gesichtszüge weicher. Die Augen größer. Humor, Offenheit und Neugier bekamen immer mehr Raum.
Meine älteste Teilnehmerin war 72 und lief durch die Sahara wie ein Uhrwerk. Ich fand das unglaublich beeindruckend.
Überhaupt haben sich die meisten mit einer solchen Offenheit auf all das eingelassen, was da kam. Auf das Laufen, die Kamele, die Einfachheit, das Essen, die Zelte, die fehlende Dusche, die Menschen und die völlig andere Art, den Tag zu verbringen. Wir haben einfach gelebt. Und erstaunlich wenig vermisst. Nämlich nichts!
Gleichzeitig habe ich noch etwas gelernt: Die Wüste verstärkt.
Wenn du neugierig und offen hineingehst, kann sie dich unglaublich weich machen. Aber die Stille und die Reduktion können auch Dinge nach oben holen, die ohnehin schon da sind. Frust, Unsicherheit, Widerstand, Emotionen. Eigentlich gar nicht so anders als beim Yoga. Auch dort bedeutet Ruhe schließlich nicht automatisch, dass in uns sofort alles ruhig wird. Manchmal wird es innen laut, wenn es außen ruhig wird.

So einfach, so schön: das Leben im Nomadencamp
Ein Abenteuer – kein Wellnesshotel
Soul & Sand ist deshalb kein Wellnessurlaub. Kein Sonnenbaden am Pool, kein Zimmerservice, niemand, der einem alles hinterherträgt (außer die Kamele das Gepäck). Sondern eine gemeinsame Reise, ein Abenteuer auf Augenhöhe mit allen Beteiligten.
Und das möchte ich bei der nächsten Reise noch deutlicher kommunizieren.
Sternenhimmel statt Sternehotel.
Der Sand ist überall. Tagsüber kann es heiß sein, nachts kalt. Man kann sich Blasen laufen. Mehrere Stunden durch Sand zu gehen, kann anstrengend sein. Es gibt keine Dusche und kein eigenes Badezimmer. Und Dinge funktionieren in Marokko manchmal schlicht anders als zu Hause. Dafür braucht es Offenheit, Flexibilität und auch Eigenverantwortung. Denn genau das gehört für mich zu diesem Abenteuer: Gewohnheiten einmal zu Hause zu lassen und nicht zu erwarten, dass alles genauso funktioniert wie im normalen Alltag.
Ich bin dabei als Yogalehrerin, Gastgeberin und Begleiterin. Ich halte den Rahmen, bin Ansprechpartnerin und begleite die Gruppe durch diese besondere Erfahrung. Aber jeder Mensch bringt auch sich selbst mit und trägt Verantwortung für sich. Vielleicht entsteht gerade dadurch dieser besondere Raum: Man darf sich tragen lassen, ohne die Verantwortung für sich selbst abzugeben.
Was ich als Retreat-Leiterin gelernt habe
Meine wichtigste Erkenntnis nach dieser ersten Reise ist gleichzeitig eine sehr beruhigende: Ich kann Desert Wonders und unseren Guides zu 1000 Prozent vertrauen.
Wir haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt und wurden unglaublich herzlich umsorgt. Ich musste nicht ständig überlegen, ob alles funktioniert oder wo wir als Nächstes hinmüssen. Die Menschen, die dort leben und die Wüste kennen, haben uns geführt. Und ich durfte mich auf meine eigentliche Aufgabe konzentrieren: auf die Gruppe, das Yoga und darauf, den Raum für diese Erfahrung zu halten.
Gleichzeitig habe ich viel über Gruppendynamik gelernt. Eine Woche gemeinsam unterwegs zu sein – davon mehrere Tage unter sehr einfachen Bedingungen mitten in der Sahara – ist intensiv. Deshalb werde ich beim nächsten Mal noch deutlicher kommunizieren, was Soul & Sand ist, was es nicht ist und welche Haltung dieses Abenteuer braucht. Auch das gehört zu meiner Lernkurve aus dem ersten Retreat.

Bilder sagen mehr als 1000 Worte
„Ohne dich hätte ich die Wüste wahrscheinlich nicht mehr gesehen.“
Ich habe nach unserer Reise so viel schönes Feedback bekommen. Aber ein Moment ist mir besonders geblieben. Meine 72-jährige Teilnehmerin kam am Ende zu mir, nahm mich in den Arm und sagte: „Danke für diese Reise. Ohne dich hätte ich die Wüste wahrscheinlich nicht mehr gesehen.“
Das hat mich sehr berührt. Denn genau solche Erfahrungen möchte ich mit meinen Retreats ermöglichen.
Menschen an Orte bringen, an die sie vielleicht alleine nicht gereist wären. Ihnen den Rahmen geben, sich etwas zuzutrauen. Gemeinsam Dinge erleben, von denen man später noch lange erzählt.
Und plötzlich ging es schon wieder zurück
Schneller als wir schauen konnten, saßen wir wieder im 4×4 und fuhren aus der Wüste heraus. Zum Abschluss wartete noch ein Hammam-Besuch auf uns. Auch das war ein Erlebnis. 😄 Denn bei „Hammam“ haben wir zunächst ein ziemlich westlich geprägtes Bild im Kopf. Schönes Dampfbad, Duft, Mosaiksteinchen… Ein traditionelles Hammam hingegen vor Ort ist deutlich pragmatischer: ein warmer, dampfiger Raum, in dem man sich gründlich wäscht – und sich, wenn man möchte, von jemandem ordentlich abrubbeln lässt. La Gommage. Nach mehreren Tagen Wüste definitiv eine Erfahrung.
Besonders schön wurde unser letzter Abend vor Ort: Khalid lud uns zu sich nach Hause zu seiner Familie ein. Sie hatten für uns gekocht. Wir saßen zusammen, teilten Couscous, tranken Tee, bekamen Kuchen und Kekse und ließen unsere Reise noch einmal Revue passieren. Diese Gastfreundschaft, die uns während der gesamten Reise begegnet war, war auch an diesem Abend wieder überall zu spüren.
Am nächsten Morgen ging es zurück nach Marrakesch. Wieder acht Stunden. Diesmal war ich vorbereitet: Kotztabletten im Gepäck. Läuft. 😉 Wir kamen pünktlich in Marrakesch an, verbrachten noch einen letzten gemeinsamen Abend in einem Restaurant und am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen.
Und ziemlich schnell stand für mich fest: Das war nicht das letzte Mal.
Soul & Sand geht weiter
Was als zufälliger Facebook-Post begann, wurde zu einer der außergewöhnlichsten Retreat-Reisen, die ich bisher erleben und begleiten durfte. Ich bin hingefahren mit Neugier, ziemlich vielen Fragen und der Bereitschaft, etwas auszuprobieren. Zurückgekommen bin ich mit großem Vertrauen in Desert Wonders, unzähligen Bildern im Kopf, einer ordentlichen Portion neuer Erfahrung als Retreat-Leiterin – und dem Wunsch, noch einmal mit einer kleinen Gruppe in diese unglaubliche Weite aufzubrechen.
Deshalb steht Soul & Sand 2027 bereits in den Startlöchern. Vom 23. bis 30. Januar 2027 geht es wieder in die marokkanische Sahara.
Dieses Mal mit all den Erfahrungen aus unserer ersten Reise. Wieder bewusst klein. Wieder mit Yoga, Wandern, Kamelen, Nomaden, Sternenhimmel, Einfachheit und ganz viel Wüste.
Wenn es beim Lesen irgendwo ein bisschen kribbelt und du denkst: Boah. Das würde ich auch gerne einmal erleben – dann kann ich dir nach dieser ersten Reise eigentlich nur eines sagen: Nutze die Chance. Wirklich. 100%
Vielleicht sehen wir uns im Januar gemeinsam zwischen den Dünen. 🌵🐪




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